Der Klimawandel – Teil II: Die Folgen

Bild: Hydrosami, Creative Commons Lizenz BY-SA 4.0

 

Im ersten Teil meiner Artikelreihe zum Klimawandel habe ich über die Definition und die Ursachen des Klimawandels geschrieben. Dabei wurde klar, dass es einen Klimawandel gibt und dass die aktuellen Ausmaße durch den Menschen gemacht sind – der natürliche Klimawandel wurde durch uns erheblich beschleunigt. Die Ursache ist ein Anstieg des CO2 in der Atmosphäre.

Zur Rekapitulation: Es gibt einen CO2- (bzw. Kohlenstoff-)Kreislauf. Es gibt natürliche Quellen für CO2 und natürliche Senken. Beispielsweise geben Vulkane CO2 ab, während Wälder (durch Pflanzenwachstum) selbiges aufnehmen. Das bedeutet, dass gemessen an Erdzeitaltern der CO2-Gehalt der Atmosphäre zwar variiert, auf unsere kurzen Zeiträume gesehen aber ungefähr konstant bleibt. Tatsächlich ist es aber nun so, dass wir seit ca. 40 Jahren einen starken Anstieg verzeichnen, der über das hinausgeht, was üblicherweise als Maximum erreicht wird in den natürlichen Schwankungen. Das natürliche Maximum liegt bei ca. 300 ppm (ppm = ein Molekül pro Millionen Luft-Molekülen). Aktuell haben wir Werte von 400 ppm. Dies geschieht dadurch, dass wir den natürlichen Kreislauf durcheinanderbringen in dem wir z.B. Fossile Brennstoffe verbrennen. Ähnlich sieht es mit dem Methan aus, dass wir durch Viehzucht in die Luft bringen.

Wie kann man sich das vorstellen? Man stelle sich eine Regentonne vor. Sagen wir die Tonne hat 110 l Fassungsvermögen, wovon 100 l gefüllt sind. Im Schnitt regnet es jeden Tag einen Liter in die Tonne (eine Wasserquelle). Ebenfalls im Schnitt nehme ich jeden dritten Tag mit einer Drei-Liter-Gießkanne eben jene drei Liter aus der Tonne (eine Wassersenke). Im Mittel wird sich das also die Waage halten. Zwar schwankt die tägliche Höhe etwas, aber es gibt klare Minima und Maxima in diesem Modell.

Im Sommer möchte mein Nachbar nun regelmäßig neue Eiswürfel haben, sie sollen frisch sein. Wenn seine alten nicht verbraucht wurden, wirft er diese in meine Regentonne. Sagen wir im Schnitt macht das am Tag 100 ml aus. Auf den gesamten Inhalt der Regentonne gerechnet ist das gar nichts, gerade einmal 0,1%. Also was soll das schon ausmachen? Das kann man sich leicht ausrechnen: Maximal hat die Regentonne noch 10 l Platz. Am dritten Tag eines Zyklus, kurz bevor ich die Gießkanne fülle, sind noch 3 zusätzliche Liter im Schnitt enthalten, also nur noch 7 l Platz. Aber nehmen wir mal die 10 l als Maßstab, dann wird nach 100 Tagen eine Menge von 10 l durch die Eiswürfel zusammengekommen sein und die Tonne läuft über. Die kleinen Eiswürfel haben meinen Wasserkreislauf durcheinandergebracht – und genauso bringen unsere Emissionen den CO2-Kreislauf durcheinander und sorgen dafür, dass sich CO2 in der Atmosphäre anreichert, nicht von heute auf morgen, aber im Laufe der Jahrzehnte.

Einige der Folgen des Klimawandels haben wir uns schon angesehen: Temperaturanstieg und daraus abgeleitet Rückgang von Eis an den Polen. Oder aber auch Veränderung von Tierverhalten, z.B. bei Zugvögeln.

Aber es gibt noch weitere Folgen und denen wollen wir uns in diesem Teil ein wenig widmen.

Folgen für die Tierwelt

Die Antarktis, also der Südpol, ist der einzige Kontinent, der nicht von Menschen besiedelt wurde – die menschliche Präsenz dort ist auf einige Forschungsstationen begrenzt. Tiere gibt es dort allerdings sehr wohl. Da die Temperaturerhöhung an den Polen am stärksten auftritt [1,2], sind diese Tiere auch besonders betroffen.

Eines der bekanntesten Beispiele dafür sind Eisbären. Das abschmelzende Eis bewirkt, dass ihnen die notwendigen Jagdgründe fehlen. Eisbären halten Winterruhe – in den besonders kalten Monaten ziehen sie sich zurück und schlafen. Dafür benötigen sie Fettreserven, die sie sich im Sommer anfressen – aber wo tun sie das? Die wichtigste Nahrungsquelle sind Robbenjunge, die im Sommer auf dem Eis liegen und von ihren Müttern ernährt werden. Das dicke arktische Eis ist zerklüftet und bietet den Polarbären perfekte Bedingungen, um sich anzupirschen und erfolgreich zu jagen. Die dünnen Eisdecken, die nun große Flächen einnehmen, sind allerdings nicht mehr zerklüftet, außerdem ist deutlich weniger Fläche vorhanden – die Bären haben dadurch verschlechterte Jagdbedingungen und können als Folge weder sich noch ihre eigenen Jungen ausreichend ernähren. Die Populationen sinken. [3]

Im ersten Moment mag dies wie ein Vorteil für die Robben aussehen – immerhin werden sie von weniger Eisbären gejagt, die Jagdbedingungen sind schlechter. Aber gleichzeitig sind auch die Aufzuchtbedingungen schlechter, denn auch für die Robben gibt es weniger Eis auf denen sie ihre Jungen ernähren können.

Ebenfalls bedroht sind die Korallenriffe. Korallen sind Tiere, die über einen Kalkkern verfügen und sich an Riffen ansammeln – künstlich oder natürlich. Der Klimawandel hat nun zweifach Auswirkung darauf. Zum einen bewirkt der erhöhte Ausstoß von CO2, dass mehr CO2 im Ozean gebunden wird – das ist auf den ersten Blick gut, denn das CO2 ist nicht in der Atmosphäre und sorgt damit nicht für eine stärkere Klimaerwärmung (dieser Effekt ist allerdings begrenzt, wie wir weiter unten noch sehen werden). Das CO2, das gebunden wird, führt allerdings dazu, dass die Ozeane saurer werden – jeder, der schon einmal eine Kaffeemaschine entkalkt oder mit Essigreiniger (sauer!) Kalkflecken entfernt hat, kann sich vorstellen, was das heißt: Der Kalk der Korallen wird angegriffen. Das setzt diese sehr besonderen Tiere unter Stress. Daneben bewirkt die Temperaturerhöhung der Ozeane das gleiche. Dadurch kommt es zur sogenannten Korallenbleiche und die Lebewesen sterben ab. Selbst das malerische, berühmte Great Barrier Rief hat dadurch bereits große Schäden erlitten, ein Drittel ist abgestorben. [4]

Korallenriffe sind ähnlich wie Regenwälder sehr artenreiche Regionen. Sie sind die ältesten Ökosysteme auf der Welt – seit Beginn der Dinosaurierzeit vor 230 Millionen Jahren existieren sie – und beherbergen hunderttausende von Spezies, die auf diesen Lebensraum angewiesen sind.

Schon im letzten Teil habe ich beispielsweise das veränderte Zugverhalten von Rotmilanen erwähnt. Diese ziehen normalerweise im Winter nach Südeuropa und Afrika – was aber aktuell weniger wird, weil unsere Winter milder werden. Verbleiben die Rotmilane hier, bedeutet das aber mehr Nahrungskonkurrenz für andere Greifvögel und mehr Druck auf Beutetiere, wie z.B. Mäuse. Auch dadurch können Arten aussterben oder sich Bestände verkleinern.

Insgesamt droht der Klimawandel – wenn wir nichts unternehmen – 16% aller Arten auszulöschen [5], z.B. durch Zerstörung oder Veränderung von Lebensräumen, Temperaturerhöhung oder auch Ausbreiten von neuen Spezies in bisher kühlere Regionen, welche dann wiederum heimische Arten bedrohen (z.B. dadurch, dass sie sich schneller fortpflanzen und Nahrung aufbrauchen).

Wohlbemerkt, dies sind nur die Arten, die aufgrund des Klimawandels aussterben. Artensterben aufgrund von Rodungen, Umweltverschmutzungen (z.B. durch Mikroplastik) oder missbräuchlicher Landwirtschaft sind da noch nicht enthalten.

 

Folgen für Umwelt

Neben der Tierwelt ist auch die Umwelt als Ganzes bedroht. Konkret haben wir schon festgehalten, dass die Temperatur steigt (s. Teil I). Das verschiebt beispielsweise Klimazonen. Bei unverändertem Einfluss des Menschen auf das Klima wird in Deutschland zukünftig ein deutlich wärmeres Klima herrschen. Einer Studie zufolge, die Klimamodelle von Städten im Jetzt mit denen von anderen Städten im Jahre 2050 verglichen hat, zeigt die Auswirkungen deutlich. 2050 wird Berlin im Schnitt ungefähr sechs Grad wärmer sein und entspricht damit dem australischen Canberra.

Hamburg hätte mit gut fünf Grad höherer Durchschnittstemperatur ungefähr das Klima des italienischen San Marinos und München mit knapp fünf würde Mailand entsprechen. [6]

Diesen Auswirkungen sind unsere Ökosysteme nicht gewachsen und eine gesteuerte Anpassung ist schwierig – da die exakten Auswirkungen schwer vorherzusagen sind, kann man Wälder beispielsweise nur bedingt darauf vorbereiten. [7]

Eine potentielle, größere Trockenheit bedroht Wälder auch durch Brände. Das bedeutet nicht nur zerstörte Ökosysteme, sondern auch große Waldflächen, die beschädigt oder sogar zerstört werden und damit als Senke für CO2 nicht mehr zur Verfügung stehen und somit wird der Klimawandel beschleunigt.

Das Eis der Pole schmilzt – Eis, was vorher auf dem Land war, fließt ins Meer und dadurch erhöht sich der Meeresspiegel (Meereis hat darauf fast keinen Einfluss). Eis, was geschmolzen ist – auf Land und auf dem Wasser schwimmend – bedeutet vor allem auch, dass sich die hellen, reflektierenden Flächen auf der Erdoberfläche reduzieren. Weniger Sonnenlicht wird also zurück in den Weltraum reflektiert und wird eher gestreut – noch ein Effekt, der den Klimawandel beschleunigt.

In den Polarregionen, insbesondere im russischen Sibirien gibt es sogenannte Permafrostböden. Diese Böden sind selbst im Sommer komplett gefroren. Sie enthalten relativ viel organisches Material, was nie verrotten konnte, bzw. eingeschlossene Gasvorkommen, die nicht freigesetzt wurden, da der Boden gefroren war. Das Auftauen bewirkt aber, dass sowohl CO2 als auch Methan und andere Treibhausgase (Methan ist ungefähr 25 bis 30 mal so gefährlich wie CO2, weil es noch mehr Wärme absorbiert) in sehr großen Mengen freigesetzt werden. [8]

Zerstörte Waldflächen, wodurch weniger CO2 gespeichert werden kann, schmelzendes Eis, das weniger Sonnenlicht reflektiert, auftauende Permafrostböden, die große Mengen an Treibhausgasen freisetzen – der Klimawandel ist also selbstverstärkend, er unterliegt einem Kaskadeneffekt, der dafür sorgt, dass mehr Wärme absorbiert wird. Ab diesem Punkt ist es für uns nicht mehr steuerbar oder verhinderbar.

Wer ans letzte Jahr denkt, wird sich noch an die Hitzewelle bei uns erinnern. Vielleicht erinnert Ihr Euch aber auch an die dauernden Regenfälle in Italien, die zu schweren Überschwemmungen geführt haben. Auch dieser Regen war über sehr lange Zeit zugegen. Die Ursache für beides war ein sehr schwacher Jetstream. Die Jetstreams – vielleicht kennt Ihr sie von Flugreisen – sind Windströmungen in der unteren Atmosphäre, bei einigen tausend Metern Höhe. Sie entstehen durch Druck- und Temperaturunterschiede zwischen polarer und äquatorialer Luft und bilden eine ringartige Strömung aus, die in Wellenform um die Erde geht.

Vielleicht seid Ihr schon über das Wort „Temperaturunterschied“ gestolpert, denn genau da liegt das Problem. Die Pole heizen sich schneller auf als die übrigen Regionen der Erde, d.h. die Temperaturunterschiede werden geringer und das schwächt den Jetstream ab. [9]

Neben Vorteilen bei Flugreisen in Strömungsrichtung sorgt der Jetstream vor allem aber dafür, dass wir Luftströmungen haben, die unser Wetter beeinflussen – schwächt er ab, so verändert sich das Wetter nur sehr wenig und man kann über Wochen das gleiche Wetter haben. Je nach Form der Welle, die diese Strömungen hinterlassen, können sie auch arktische Luft nach Süden transportieren – das ist der Grund für die Kältewelle Anfang dieses Jahres in den USA gewesen.

Insgesamt provozieren abgeschwächte Jetstreams längere Extremwetterereignisse.

Luftströmungen sind nicht die einzigen Strömungen, die der Klimawandel beeinflusst. Es gibt auch Meeresströmungen. Eine ganz entscheidende ist der Golfstrom. Auch er wird durch Temperaturunterschiede verursacht und transportiert warmes Wasser vom Golf von Mexico in den Nordatlantik und die Nordsee – zu uns! Es gibt erste Hinweise darauf, dass – aufgrund der verringerten Temperaturunterschiede – diese Strömung schwächer wird [10], aktuell um ca. 15%. 30% sind in Zukunft möglich [11] und auch ein vollständiges Erliegen ist nicht ausgeschlossen. Dies hätte dramatische Folgen für unser lokales Klima, denn besonders im Winter sind wir auf den Golfstrom angewiesen, damit er uns wärmt. Fällt der Golfstrom aus, so drohen sehr tiefe Temperaturen in unserer Region. Ironischerweise kann also eine Erderwärmung dazu führen, dass es bei uns zumindest im Winter deutlich kälter wird.

Folgen für Menschen

Man kann ja nun auch einfach sagen: Mir völlig egal, wenn Eisbären nichts mehr zu fressen finden. Dabei vergisst man aber, dass wir Teil der Natur sind und wir bedienen uns regelmäßig ihrer Ressourcen, z.B. durch Fischfang. Robben fressen Fische. Wird die Population der Robben durch den Eisbären nicht reguliert, so könnte das einen Rückgang im Fischfang bedeuten. Nur als kleines Beispiel – die tatsächlichen Zusammenhänge sind tatsächlich viel komplexer.

Insgesamt kann man aber festhalten, dass wir uns umfangreich in der Natur bedienen. Wenn Teile zerstört werden, dann stehen auch uns weniger Ressourcen zur Verfügung, auch weniger Land, wenn der Meeresspiegel steigt. Das ist gerade für Küstenregionen dramatisch.

Verschlechterte klimatische Bedingungen können zudem Ernteausfälle bewirken, was Hungersnöte hervorruft. Wenn es sich dabei um einen Dauerzustand handelt, dann wird dies auch Fluchtursachen verstärken. Lebensmittel werden teurer werden.

Der Klimawandel sorgt dafür, dass z.B. Stürme verstärkt werden [12]. Höhere Temperaturen lassen durch Verdunstung mehr Feuchtigkeit über dem Meer entstehen. Diese stärkeren Stürme sorgen dann dafür, dass wir mehr Schäden, z.B. durch Regenfälle, Sturmfluten oder Wind haben. Das sind tatsächliche, unmittelbare finanzielle Folgen des Klimawandels.

Andererseits erzeugt der Klimawandel längere Trockenperioden. Die Trockenheit aus dem letzten Jahr ist noch lange nicht überwunden, die Wasservorräte im Boden nicht aufgefüllt, wie man in der Abbildung sehen kann.

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Trockenheit im Vergleich zum Mittel im Zeitraum von 1951 bis 2015, links: In einer Tiefe von      25 cm, rechts: In einer Tiefe von 1,8 m. [Quelle: Helmholtz Zentrum für Umweltforschung]
Diese Trockenheit erhöht z.B. die Gefahr für Waldbrände. Die Trockenheit des letzten Jahres hat für Kosten gesorgt, die ungefähr doppelt so hoch sind, wie im Mittel, also ca. 2,67 Millionen Euro. Auch das sind unmittelbare Kosten, die durch den Klimawandel noch ansteigen werden.  Neben Waldbränden bewirkt die Trockenheit auch einen Rückgang an Ernteerträgen und macht Pflanzen, insbesondere Bäume empfänglicher für Schädlinge.

Das Auftauen des Permafrostbodens wird zu Kosten von ca. 60.000 Milliarden Dollar führen, also aktuell knapp 10.000 Dollar pro Kopf der Erdbevölkerung. [13]

Das heißere Klima wird vor allem auch Städte betreffen – schon jetzt leben die Hälfte aller Menschen in Städten bis 2030 rechnet man in Deutschland mit drei Vierteln der Bevölkerung in Städten. Die Temperaturerhöhungen werden bei uns Anpassungen erforderlich machen, wie sie in südlicheren Ländern schon üblich sind: Schutz vor Sonneneinstrahlung an Häusern und Straßen. Kühlung für die Bewohner. Diese Maßnahmen kosten Geld, das dann für andere Dinge nicht vorhanden ist, z.B. Schulen.

Höhere Temperaturen erzeugen auch gesundheitliche Probleme. Besonders das Herz-Kreislaufsystem leidet darunter, in erster Linie sind ältere Menschen und Kinder betroffen. Im Vergleich zum Jahr 2000 sind heute mehr Menschen durch die hohen Temperaturen bedroht und zwar insgesamt über 150 Millionen Menschen mehr. [14] Dies wird in Zukunft noch weiter steigen. Aktuell haben wir einen Temperaturanstieg von ca. einem Grad, wenn wirklich 3 Grad eintreten oder sogar noch mehr, werden die Folgen umso schwerwiegender sein.

Die erhöhten Temperaturen liefern auch Krankheiten besseren Nährboden, um sich auszubreiten. Malaria ist bei uns längst ausgerottet worden – vor allem durch Trockenlegen vieler Sumpfgebiete. Jetzt droht die Krankheit bei uns wieder heimisch zu werden, weil deren Überträger, z.B. Amopheles-Mücken, sich weiter nach Norden ausbreiten können. [15] Andere Krankheiten sind z.B. das Dengue-Fieber oder FSME, die von Zecken übertragen wird. [16]

Das sind nicht nur medizinische Risiken und Folgen für die Gesundheit, sondern natürlich auch wirtschaftliche Folgen für das Gesundheitssystem.

Insgesamt dient die Natur und Umwelt uns als Quelle für viele Rohstoffe und insbesondere auch z.B. Medikamente, bzw. deren Wirkstoffe. Eine weniger artenreiche Natur bedeutet sofort weniger Ressourcen.

Genauigkeit der Vorhersagen

Die Natur besteht aus vielen Ökosystemen und das Klima ist komplex. Die Atmosphäre wechselwirkt mit den Ozeanen, wodurch eine sehr dynamische Situation entsteht. Vorhersagen sind schwierig. Aber die Modelle werden immer besser. Niemand kann exakt vorhersagen, was in zehn Jahren für ein Klima am meinem Wohnort herrscht. Aber es ist ganz eindeutig, dass der menschengemachte Ausstoß von Treibhausgasen Folgen für die Umwelt hat und damit auch für uns.

Hier sei nur ein Beispiel genannt. In der Grafik kann man den Anstieg des Meeresspiegels erkennen.

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Anstieg des Meeresspiegels in cm über Jahre aufgetragen. Rot: Tidenpegel, blau Satellitenmessungen im Vergleich zu den Modellvorhersagen für die Jahre 1990 bis 2010  aus dem dritten IPCC Assesment Report (graue Fläche) [Quelle: http://www.copenhagendiagnosis.com/%5D
Blau sind die Daten, die mittels Satellit gemessen wurden. Diese sind Fakt. Kein Modell, keine Vorhersage, keine Vermutung, sondern faktische Messung. In Grau kann man die Vorhersage der Wissenschaftler sehen. Es handelt sich um einen Bereich, da das System wie erwähnt komplex ist und eine exakte Vorhersage nicht möglich ist, sondern nur Trends angekündigt werden können. Was man sieht, ist, dass der obere Rand der Vorhersage, also der Worst Case, dem entspricht, was wirklich eingetreten ist. Die Vorhersagen der Wissenschaftler sind keine Panikmache, sie sind keine bloßen Vermutungen, sondern sie treffen ganz offenbar zu.

Alleine das sollte uns zum Handeln anregen. Trotzdem gibt es immer noch Menschen, in Politik, Wirtschaft aber auch unter „normalen“ Leuten, die meinen, Handeln wäre überstürzt oder gar unnötig. Mit deren vermeintlichen Gegenargumenten werde ich mich im nächsten Teil beschäftigen, bevor es im vierten Teil dann um Maßnahmen geht, um den Klimawandel durch den Menschen zu begrenzen.

Wer sich ein wenig mehr über die Folgen informieren möchte, dem sei die Serie „Our Planet“ empfohlen. Dort kann man – neben wunderbaren Naturaufnahmen – erfahren, welche Folgen der Klimawandel und auch andere Einflüsse des Menschen auf die Natur haben, aber auch, dass eben noch nicht das Kind in den Brunnen gefallen ist und wir immer noch etwas unternehmen können. Und ich glaube, das ist die vielleicht wichtigste Botschaft. Der Klimawandel als Klimakatastrophe ist nicht gesetzt. Wir können die negativen Folgen verhindern oder zumindest deutlich abschwächen.

 

Referenzen

[1]          E. Rignot, J. Mouginot, B. Scheuchl, M. van den Broeke, M. J. van Wessem, Mathieu Morlighem, Four decades of Antarctic Ice Sheet mass balance from 1979–2017, PNAS January 22, 2019 116 (4) 1095-1103; first published January 14, 2019, https://doi.org/10.1073/pnas.1812883116

[2]          BR, Dünnes Eis in Arktis und Antarktis, https://www.br.de/klimawandel/eisschmelze-eis-polkappen-antarktis-arktis-100.html, abgerufen am 22.7.2019

[3]          BR, Schmelzendes Polareis lässt Eisbären hungern, https://www.br.de/themen/wissen/ eisbaeren-hungern-arktis-schmelzendes-polareis-klimawandel-100.html, abgerufen am 22.7.2019

[4]          Zürichsee Zeitung, Verheerende Folgen der Korallenbleiche am Great Barrier Reef, https://www.zsz.ch/ausland/Verheerende-Folgen-der-Korallenbleiche-am-Great-Barrier-Reef/story/13765049, 2016, abgerufen am 23.7.2019

[5]          M. Urban, Accelerating extinction risk from climate change, VOL 348, ISSUE 6234, 2015, pp. 571-573

[6]          J. Bastin, E. Clark, T. Elliott, S. Hart, J. van den Hoogen, I. Hordijk, H. Ma, S. Majumder, G. Manoli, J. Maschler, L. Mo, D. Routh, K. Yu, C. M. Zohner, T. W. Crowther, Understanding climate change from a global analysis of city analogues, PLOS ONE 14(7), 2019

[7]          Forstwirtschaft-in-Deutschland.de, Forstwirtschaft im Klimawandel, https://www.forstwirtschaft-in-deutschland.de/forstwirtschaft/forstwirtschaft-in-deutschland/klimawandel/, abgerufen am 23.7.2019

[8]          D. Vaughan, J. Comiso, et. al., IPCC report, Chapter 4: Observations: Cryosphere, https://www.ipcc.ch/site/assets/uploads/2018/02/WG1AR5_Chapter04_FINAL.pdf, 2018

[9]          M. Odenwald, Der Jetstream-Kollaps! Wie ausgeleierte Strahlströme die Erde gefährlich aufheizen, Focus, 9. August 2018, https://www.focus.de/wissen/klima/jetstream-kollaps-wie-ausgeleierte-strahlenstroeme-die-erde-gefaehrlich-aufheizen_id_9389571.html, abgerufen am 22.7.2019

[10]       L. CaesarS. Rahmstorf, A. Robinson, G. Feulner, V. Saba, Observed fingerprint of a weakening Atlantic Ocean overturning circulation, Nature, volume 556, 2018, pp. 191–196

[11]       Deutsches-Klima-Konsortium.de, Zukunft der Golfstromzirkulation, https://www.deutsches-klima-konsortium.de/de/golfstrom.html, abgerufen 19.7.2019

[12]       C. Schrader, Macht die Erderwärmung Hurrikans stärker?, 28. September 2018, https://www.sueddeutsche.de/wissen/klimawandel-macht-die-erderwaermung-hurrikans-staerker-1.4148446, abgerufen am 20.7.2019

[13]       M. Seynsche, Methan aus tauendem Permafrost, Deutschlandfunk, 24. Juli 2013, https://www.deutschlandfunk.de/methan-aus-tauendem-permafrost.676.de.html?dram:article_id=255120, abgerufen am 22.7.2019

[14]       N. Watts, et al., The 2018 report of the Lancet Countdown on health and climate change: shaping the health of nations for centuries to come, The Lancet,  Vol. 392, I. 10163, 2018, pp. 2479-2514

[15]       Gesundheitsstadt-Berlin.de, Klimawandel: Malaria Mücken kommen nach Europa, 3. Juni 2019, https://www.gesundheitsstadt-berlin.de/klimawandel-malaria-muecken-kommen-nach-europa-13368/, abgerufen 19.7.2019

[16]       Gesundheitsstadt-Berlin.de, Klimawandel: Durch Mücken und Zecken übertragene Krankheiten nehmen zu, 17. Mai 2019, https://www.gesundheitsstadt-berlin.de/klimawandel-durch-muecken-und-zecken-uebertragene-krankheiten-nehmen-zu-13322/, abgerufen 19.7.2019

 

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