Mondlandung vor fünfzig Jahren und in X Jahren?

Der 20. Juli 1969 markiert den Zeitpunkt, an dem wir Menschen nicht länger auf einen Himmelskörper beschränkt gewesen sind. Eines der waghalsigsten, eigentlich schon verrücktesten Unternehmen der Menschheitsgeschichte erreichte seinen Höhepunkt: Die Landung auf dem Mond im Rahmen der Apollo 11 Mission.

Vergangenheit

Die Geschichte startete im Grunde im Jahre am 12. April 1961 als der sowjetische Kosmonaut Juri Gagarin als erster Mensch den Weltraum erreichte. Von Anfang an hatten die Amerikaner in ihrem Raumfahrtprogramm das Nachsehen – immer wieder lagen die Sowjets vorne. Der erste Weltraumspaziergang, die erste Crew aus zwei Astronauten (bzw. Kosmonauten), die erste Frau im All: Alles Erfolge der Sowjets.

Kurz nach Gagarins Flug, hielt der damalige US-Präsident John F. Kennedy eine Rede vor dem Kongress in dem er die Messlatte sehr hoch legte: Er legte fest, dass die USA bis „zum Ende des Jahrzehnts“ auf dem Mond landen sollte – mit Menschen. Bedenkt man, dass die bemenschte Raumfahrt damals noch in den Kinderschuhen steckte, war dies eine gewagte Forderung: Das Rennen war gestartet.

Die Taktik der Sowjets war eher die eines Sprints – dies war unter anderem politisch begründet, denn vor allem war das Weltraumrennen ein Rennen zwischen den Ideologien. Man versuchte möglichst schnell Erfolge zu erreichen. Auf Seiten der USA stand langfristige Planung im Vordergrund – mit jedem Flug des Raumfahrtprogramms wurden Technologien und Prozesse erprobt, die notwendig werden würden, um den Mond zu erreichen, z.B. das Andocken zweier Raumfahrzeuge aneinander.

Im Mai 1966 starb Sergei Koroljow, der Chef des sowjetischen Raumfahrtprogramms und ein herausragender Raketeningenieur. Dies war ein schwerer Verlust für das Programm, von dem es sich bis zur Landung auf dem Mond während Apollo 11 nicht mehr erholen sollte. Aber auch die amerikanische Seite blieb nicht ohne Verluste.

Im Januar 1967 starben bei einem Testlauf mit der Kommandokapsel, posthum mit Apollo 1 beziffert, drei Astronauten. Ein Kurzschluss in der Bordelektronik verursachte ein Feuer in der Kapsel – sie hatte eine reine Sauerstoffatmosphäre. Durch das Feuer war der Druck in der Kapsel so hoch, dass die Luke sich nicht mehr öffnen ließ, da sie nach innen geöffnet werden musste. Besonders tragisch: Der Kommandant der Crew, Gus Grissom, hatte während einer früheren Mission, Mercury-Redstone 4, sechs Jahre zuvor ein Unglück erlebt. Unvorhergesehen wurde die Luke seiner Kapsel nach der Wasserung abgesprengt, so dass er beinahe ertrank. Aufgrund dieses Unglücks sah man bei zukünftigen Kapseln von absprengbaren Luken ab. Eine Vorsichtsmaßnahme, die im Falle von Apollo 1 die Leben der Astronauten kostete.

Dennoch konnten die Amerikaner ihren Fortschritt fortsetzen und die Sowjets konnten durch den Verlust von Koroljow ihre Mondrakete, N1, nicht fertig entwickeln. Lediglich das Raumfahrzeug für die Mondreise, die Soyus-Kapsel (deren Weiterentwicklung noch heute fliegt), konnte fertiggestellt werden. So landeten am 20. Juli 1969 die Amerikaner auf dem Mond, der Plakette nach, die sie auf der Oberfläche hinterließen, allerdings für die ganze Menschheit.

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Widmungsplakette von Apollo 11 (gemeinfrei, Quelle: NASA).

Zukunft

Gene Cernan verließ im Dezember 1972 als bisher letzter Mensch den Mond. Seitdem hat sich die bemenschte Raumfahrt vor allem auf Stationen im Erdorbit konzentriert. Seit Jahren gibt es immer wieder Pläne für Explorationsmissionen darüber hinaus, sei es zu Asteroiden, zum Mond, zum Mars… Aber wirklich in Fahrt kommt keiner dieser Pläne – das Verhältnis von Nutzen zu Kosten ist für die Politik nicht attraktiv genug.

Von 2005 bis 2009 verfolgten die Amerikaner das Constellation-Programm. Im Rahmen dieses Programms sollten zwei Raketen entwickelt werden, sowie ein Lander und eine Kapsel für Mondmissionen. Überlebt hat dies nur die Kapsel, die nach verschiedenen Namensänderungen inzwischen den Titel „Orion“ trägt. Das Constellation-Programm wurde durch Präsident Obama beendet, der sich lieber auf den Mars konzentrieren wollte. Dafür wurde eine neue Rakete entwickelt – allerdings war sie im wesentlichen gleich der größeren der beiden Raketen aus dem Constellation-Programm.

Die Entwicklung der Rakete, des Space Launch Systems (SLS), ist schon sehr weit fortgeschritten. Sie basiert in Teilen, z.B. den Triebwerken, auf dem Space Shuttle (welches wiederum Weiterentwicklungen der ursprünglichen Mondrakete sind).

Aber wieso muss man eigentlich etwas neu entwickeln, wenn wir doch schon einmal zum Mond geflogen sind? Kann man nicht einfach die ursprüngliche Rakete nachbauen?

Zum einen sind die damaligen Systeme nicht so leistungsfähig wie die heutigen, insbesondere, was Computer angeht. Navigiert haben die Apolloastronauten z.B. noch mit Sekstanten, wie alte Seeleute (was ich sehr beeindruckend finde). Des weiteren sind diese Systeme sehr komplex – man kann nicht einfach einzelne Komponenten auswechseln und annehmen, sie funktionieren noch genauso. Fehler können Menschenleben kosten. Und gerade moderne Computer sind sehr empfindlich gegenüber Strahlung, wie sie im Weltraum zu finden ist.

Zum anderen sind Komponenten und Materialien gar nicht mehr verfügbar. D.h. man müsste sie ersetzen. Da es zahlreiche Komponenten sind, ist die Aufgabe eben sehr komplex und würde sehr umfangreiche Tests erfordern – es macht einfach keinen Sinn, eine alte Rakete exakt nachzubauen.

SLS ist aber in Funktion, Aussehen und Fähigkeiten durchaus vergleichbar mit der Saturn V, der ursprünglichen Mondrakete. Manchmal hört man, dass wir nicht mehr die Technologie besitzen, um zum Mond zu fliegen. Das stimmt natürlich nicht. Aber Häuser werden auch nicht mehr so gebaut, wie vor 50 Jahren und man braucht trotzdem Architekten, um sie zu entwerfen. Da wird nicht einfach losgebaut. Jedes neue Auto wird Tests, z.B. im Windkanal, unterworfen, obwohl es tausende von Autoentwicklungen gegeben hat. Aber das bedeutet ja nicht, dass wir die Technologie nicht mehr besitzen. Was heute für Missionen eingesetzt wird oder in Zukunft eingesetzt werden wird, sind Weiterentwicklungen der Technologie aus der Zeit der Apollomissionen.

Aktuell planen NASA und weitere internationale Partner, inklusive der europäischen Raumfahrtargentur ESA, eine Rückkehr zum Mond. Einmal soll es eine Station im Orbit um den Mond geben, als Tor zu dessen Oberfläche und in den Tiefenraum. Das Konzept finde ich nicht besonders ausgereift – aber es steht ja auch noch am Anfang. Das sogenannte Lunar Orbital Platform Gateway (LOP-G) wird im Grunde eine „kleine“ ISS werden.

Im März hat der Vizepräsident der USA, Mike Pence, außerdem verkündet, dass die Amerikaner bis 2024 erneut auf dem Mond landen wollen. Im Rahmen des Artemisprogramms soll zum ersten Mal eine Frau auf dem Mond landen. Und vor drei Tagen hat die ESA verkündet, dass sie für diese Mission das Service-Modul der Orionkapsel zur Verfügung stellen wird. Das bedeutet auch, dass eine Person der vierköpfigen Crew aus Europa kommen wird.

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Ein Konzept des Lunar Orbital Platform Gateways. Links ist die Orionkapsel zu sehen, die (ganz links) mit dem europäischen Servicemodul ausgestattet ist. (gemeinfrei, Quelle: NASA)

Wie stabil diese Planung ist, ist nicht ganz klar. Politische Veränderungen bergen immer das Risiko, dass Langzeitprogramme der Raumfahrt ebenfalls Veränderungen unterworfen werden. Allerdings: Nicht nur die USA haben Pläne für den Mond. Auch Russland hat Interesse an einer bemenschten Mission geäußert und China hat jüngst mit Chang’e 4 zum ersten Mal eine Landung – ohne Crew – auf der Mondrückseite durchgeführt und klar verkündet den Mond für Rohstoffe besiedeln zu wollen. Es bahnt sich also evtl. ein neues Rennen an. Es bleibt spannend, wer das Rennen machen wird und ob es dieses Mal zu einer dauerhaften Besiedlung führen wird.

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