Mond oder Mars – Was steht als nächstes an.

Ich habe mich ja schon vor einiger Zeit sehr deutlich für Raumfahrt, vor allem auch mit Menschen, ausgesprochen und versucht zu erklären, warum es sinnvoll ist, sich mit diesem Thema auseinanderzusetzen. Aktuell befinden wir uns an einer Art Scheideweg. Die Internationale Raumstation wird in ca. zehn Jahren ihren Betrieb einstellen und die Frage ist, was wird danach passieren. Im Grunde gibt es vier mögliche Szenarien:

  1. Es wird eine Nachfolgestation im Erdorbit geben oder mehrere (wahrscheinlich kleinere).
  2. Es wird eine Mondbasis aufgebaut, die einen permanenten Aufenthalt ermöglicht.
  3. Es wird eine Marsbasis aufgebaut, die einen permanenten Aufenthalt ermöglicht.
  4. Es wird keine bemenschte Raumfahrt mehr geben.

Denkbar ist natürlich auch eine Mischung aus diesen Szenarien, zumal es inzwischen einfach mehr „Mitspieler“ gibt, nicht zuletzt auch private Initiativen, die sich aktuell auf den Niedrigen Erdorbit (LEO) konzentrieren.

Wissenschaftliche und technische Gründe gibt es für die Punkte 1 bis 3 zu Hauf, allein die Finanzierung zwingt einen zu einer Entscheidung und droht mit Punkt 4. Die Tatsache, dass ESA, CSA und NASA weiter nach Astronauten suchen und diese einstellen, lässt zumindest vermuten, dass es eine bemenschte Raumfahrt auch nach 2028 geben wird, wenn die ISS ihrem Ende entgegensieht. Gesichert ist dies aber bei weitem nicht.

In den vergangenen Jahren haben Wissenschaftler des DLR und externer Partner sich intensiv mit dem Thema unter Punkt 1 beschäftigt und ein ausgeklügeltes System erdacht, welches billiger als die ISS ist und wissenschaftlich trotzdem mehr Möglichkeiten bietet. Einen Einblick gibt es in unsere Arbeit in einem kurzen Videotrailer.  Bei anderer Gelegenheit werde ich darauf einmal näher eingehen, welches unter der Annahme, dass (finanzielle) Aufwand sich nicht nur auf den erdnahen Weltraum beschränken wird, entstanden ist.

Fest steht aber, dass es bei weitem keine Einigkeit zu geben scheint für mögliche Fortschritte in der bemenschten Raumfahrt, was problematisch werden kann. Aber werfen wir erst einmal einen Blick auf die möglichen Szenarien:

Moon First! Let’s make Luna great again!

Den Mond zu besiedeln ist keine neue Idee: Bereits der Philosoph John Wilkins hat sich im Mitte des 17. Jahrhunderts damit auseinandergesetzt. Konkreter wurde es dann freilich erst im 20. Jahrhundert, als man sich technisch und wissenschaftlich mit der Umsetzung von Raumfahrt beschäftigt hat.

In jüngerer Zeit haben Russland, Japan, China und Europa (in Form der ESA) ihr Interesse darüber bekundet, dauerhafte Präsenzen auf dem Mond einzurichten. Was aber macht den Mond attraktiver als den Mars?

moonvillage_esa
Das Moon Village Konzept der ESA, das auf 3D-Drucktechnologie basiert (ESA).

Offensichtlich ist der Mond deutlich näher als der Mars und innerhalb weniger Tage zu erreichen. Entsprechend geringer ist die technische Hürde. Bauteilzuverlässigkeiten können weniger scharf ausfallen, denn die Basis kann verhältnismäßig zügig mit Ersatzteilen versorgt werden.

Die „leichte“ Erreichbarkeit bedeutet auch, dass man Erfahrungen mit planetaren Außenposten sammeln kann, ohne dem erhöhten Risiko der großen Entfernung. Dieses reduzierte Risiko im Vergleich zu einer Marsmission kann genutzt werden, um Technologien, wie z.B. Habitate zu erproben. Außerdem hat der Mond natürlich eigene wissenschaftliche Fragestellungen und Möglichkeiten. Die der Erde abgewandte Seite kann z.B. für Himmelsbeobachtungen genutzt werden. Ein Start von der Mondoberfläche ist außerdem weit weniger aufwendig als ein Start von der Erde. So könnte man eine Infrastruktur auf dem Mond errichten, die es ermöglicht Missionen weniger kostspielig als von der Erde aus in das äußere Sonnensystem zu entsenden.

Natürlich gibt es aber auch Nachteile. Die Kosten für die Entwicklung, Aufbau und Betrieb einer Mondbasis, würden für weitreichendere Missionen fehlen. Der Technologiesprung ist im Vergleich zu einer Marsmission auch nicht so groß und die Umweltbedingungen unterscheiden sich signifikant von denen auf dem Mars. So ist die lunare Nacht, die 14 Tage dauert, eine große technische Herausforderung – auf dem Mars dauert die Nacht ungefähr genauso lange wie auf der Erde. Der Mond hat außerdem keine Atmosphäre, so dass selbst kleinste Staubteilchen nicht abgebremst werden, wenn sie die Oberfläche treffen – anders als beim Mars – und somit Einschläge stets gefährlich sind. Anders als der Staub auf dem Mars, ist der Staub auf dem Mond sehr scharfkantig und dadurch schädlicher für technische Geräte.

Die Landung auf dem Mond ist weit weniger herausfordernd als auf dem Mars. Einmal hat er eine geringere Schwerkraft und zum anderen keine Atmosphäre – entsprechende Hitzeschilde und Wiedereintrittstechnologie ist für eine bemenschte Mission zum Mars essentiell, könnte aber auf dem Mond nicht erprobt werden, bedingt dafür auf der Erde.

Eine der größte Fragen in der Erforschung des Sonnensystems ist außerdem, ob es noch anderes Leben gibt oder zumindest gab. Auf dem Mond ist dies ausgeschlossen, die Umweltbedingungen auf dem Mars könnten dies in der Vergangenheit ermöglicht haben. Ob dies so ist, lässt sich aber auf dem Mond nicht herausfinden.

Get Your Ass to Mars!

So heißt eine Initiative von Buzz Aldrin, dem zweiten Menschen auf dem Mond. Buzz Aldrin ist jemand, der ein Konzept einer dauerhaften Besiedlung des Mars befürwortet, ohne eine Rückkehroption, daher dieser Titel.

Insgesamt gibt es verschiedene Experten, die der Meinung sind, man solle gleich zum Mars aufbrechen und ihn als das lohnendere Ziel ansehen. Nur hier können wir z.B. die Frage nach dem Leben im Sonnensystem beantworten. Der Technologiesprung wäre riesig, erst recht, wenn man von einer autarken Kolonie ausgeht. Die technologischen Hürden würden entsprechend größer sein, wie ich ja bereits in der Vergangenheit erläutert habe und dies hier nicht wiederholen möchte.

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Eine mögliche Marsstation (NASA).

Ebenso wäre die menschliche Errungenschaft gewaltiger und wenn wir als Spezies interplanetar werden, könnte dies eine nie dagewesene Einigkeit bewirken. In jedem Fall wäre eine solche Mission international und könnte ein Sprachrohr selbst für schärfste Kontrahenten sein, so wie es aktuell die ISS ebenfalls ist.

Deep Space Gateway

Jüngst hat die NASA ein detailliertes Konzept vorgestellt, wie sie die Erforschung des Alls voranbringen möchte. Das Deep Space Gateway (DSG). Diese Station soll in Mondnähe erbaut werden und ist im Beitragsbild dieses Artikels gezeigt. Von dort aus sollen interplanetare Missionen gestartet werden. Es ist quasi der sichere Hafen für den Deep Space Transport – das Raumfahrzeug, das Menschen z.B. zum Mars bringen soll. Das Konzept ist gleichwohl nicht gänzlich neu, z.B. hat Roskosmos ähnliche Pläne mit seiner Lunar Orbital Station.

Im Grunde ist das DSG ein Spagat zwischen den beiden Zielen Mond und Mars. Die Nähe zum Mond und damit zur Erde, nutzt die Vorteile dort, ohne sich jedoch vollends für den Mond zu entscheiden. Mondmissionen können aber von dort ebenfalls unterstützt werden.

Meine Meinung

Was nun der „richtige“ Weg ist, liegt nun vor allem daran, welche Vorteile und Nachteile man wie gewichtet und nicht zuletzt am politischen Willen. Dadurch, dass der Mond leichter zu erreichen ist, sind etwaige Früchte schneller zu ernten, andererseits ist es auch irgendwie nur eine Wiederholung. Spektakulärer wäre also eine Marsmission.

Gerade mit Blick auf das sehr begrenzte Budget in der Raumfahrt, das nur ein Bruchteil von dem ist, was zur Zeit der Mondmissionen zur Verfügung stand, halte ich den Mond für das realistischere Ziel. Ist der Mond einmal als fester Bestandteil menschlicher Siedlung etabliert, kann dorthin auch schnell eine kommerzielle Nutzung ausgebreitet werden.

Ein zu schnelles „Ausbreiten“, kann bedeuten, dass man das erreichte Territorium nicht halten kann, was man nach dem Apolloprogramm gesehen hat, so dass es evtl. sinnvoller ist, den Umweg über den Mond zu gehen.

In jedem Fall halte ich Aktivitäten im erdnahen Raum für unabdingbar, denn nicht jede Mission, Wissenschaftlich und Technologieerprobung rechtfertigt eine weite Entfernung wie beim Mond oder Mars. Und Tests im erdnahen Raum waren auch schon Bestandteil des Apolloprogramms.

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